06 | 07 | 2022

MoReAb

Projekt MoReAb nun abgeschlossen

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge haben wir im Februar MoReAb (Mobinardo Research Abroad), ein Erasmusprojekt für Lehrkräfte (Staff) der EU-Geschäftsstelle Münster, erfolgreich abgeschlossen. Es richtete sich vor allem an Lehrkräfte, die Migranten bzw. Flüchtlinge unterrichten und sie sprachlich optimal für den Einstieg ins Berufsleben unterstützen wollen.

Im Vorfeld hatten wir ein erstes Projekt durchgeführt, in dem die internationalen Partner ausgesucht worden waren. Wir hatten das große Glück, in der Universität Stockholm, den Organisationen ENAC in Verona sowie ODYSSÉE in Bordeaux hervorragende, kompetente und sehr erfahrene Partner zu finden. Im Februar 2020 startete das Hauptprojekt trotz der sehr ungünstigen Umstände der Pandemie. Das Ziel war, deutsche Lehrkräfte in Kontakt mit frischen Ideen zur Sprachmittlung von Menschen mit Sprachproblemen zu bringen, die kurz vor dem Eintritt ins Berufsleben sind. Es wurden sechs jeweils dreitägige Mobilitäten nach Schweden, Frankreich und Italien entwickelt, während derer sowohl Theorie als auch die praktische Umsetzung in den drei europäischen Nachbarländern sehr konkret vermittelt werden sollten.

Leider machte die Pandemie, die in verschiedenen Wellen kam, es uns zunächst unmöglich, die fertig ausgearbeiteten und bestens geplanten Mobilitäten auch durchzuführen. So schwenkten wir kurzentschlossen auf die Veranstaltung von Webinaren um. Alle drei Partner boten in der ersten Hälfte des Jahres 2021 sehr interessante Veranstaltungen mit zum Teil Liveschaltungen in Schulen und vielfältig aufgearbeiteten Informationen an, die von Seiten der deutschen LehrerInnen mit großem Interesse verfolgt wurden. So konnte man virtuell in konkrete Projekte eintauchen, zum Beispiel im Rahmen einer Schülerfirma in einer italienischen Backstube stehen, in der leckerstes Gebäck zubereitet wurde und dem Verkäufer mit Migrationshintergrund bei der Arbeit über die Schulter schauen. Im französischen Webinar wurde uns gezeigt, wie die für den Beruf notwendige Fachsprache in speziellen Projekten vermittelt wird. Bei Bedarf werden sogar SchülerInnen in Kleinstgruppen sprachlich gefördert.

Schweden hingegen leistete seinen Beitrag durch Einblicke, wie in der LehrerInnenausbildung   dieser Problematik begegnet werden kann. Kurz, jedes Webinar hatte seine eigenen Schwerpunkte, aber auch seine eigenen Denkanstöße.               



Als die dritte Welle Mitte 2021 abebbte, beschlossen wir, die ausstehenden weiteren drei Mobilitäten real durchzuführen. Alles war wieder vorbereitet, organisiert, die drei Partner standen mit festen Terminen zwischen Ende Oktober und Ende Februar bereit. Aber auch hier mussten die Reisen jedes Mal, sehr zum Leidwesen der angemeldeten Teilnehmer, aus Pandemiegründen wieder abgesagt werden. Leider waren dann, wegen des engen Zeitfensters, keine Webinare als Alternative mehr möglich.

Was haben wir erreicht? Wir haben auf jeden Fall für die Lehrkräfte ein „Fenster nach Europa“ öffnen können.

Die Bedeutung konkreter Projekte, zum Beispiel in Form von Schülerfirmen oder Kochkursen und Werkstattarbeit für den Spracherwerb wurde den TeilnehmerInnen unmittelbar vor Augen geführt. Die rege Teilnahme sowie die Feedbacks haben sehr klar einen Bedarf für Fortbildungen im Bereich Sprachmittlung für Migrantinnen/Menschen mit sprachlichen Defiziten gezeigt.  Die deutschen Lehrkräfte konnten sich selber in das Gefühl einfinden, nicht verstanden zu werden oder wie schwierig es ist, überhaupt in einer fremden Sprache zu sprechen, da die Veranstaltungen in englischer Sprache angeboten wurden. Auch wenn Webinare niemals Mobilitäten ersetzen können, gab es bei allen Beteiligten zwischendurch das Gefühl, tatsächlich im Ausland unterwegs zu sein. Darüber hinaus haben wir erfahren, dass die Lehrkräfte schon diese Webinare sehr inspirierend und hilfreich für den Unterricht fanden. Teilweise werden die Ergebnisse sogar an beteiligten Schulen auf den Homepages veröffentlicht und an die interessierten Kolleginnen in Arbeitsgruppen weitergegeben.        
Zudem zeigen die jüngsten geopolitischen Entwicklungen, allen voran die Kriegszustände in der Ukraine, dass es rund um das Thema Migration auch weiterhin Bedarfe an Fortbildungen und an europaweiter Abstimmung geben wird.

Deswegen möchten wir dieses Fenster weiterhin offenhalten und denken intensiv über Folgeprojekte und natürlich auch andere Kernkompetenzen nach, die MigrantInnen benötigen, um erfolgreich ins Arbeitsleben integriert zu werden.